Protestsongs? Protestsongs werden gebraucht

Protestsongs, wenn Protestsongs gebraucht werden: Springsteen und Bragg antworten dem Ruf

Es ist selten, dass „The Boss“ und „The Bard of Barking“ so schnell reagieren, aber die Intensität der aktuellen Situation in Minneapolis erforderte es eindeutig.

Sowohl Springsteen als auch Bragg haben diese Woche brennende, schnell reagierende Protestsongs als Reaktion auf den Tod von Renee Good und Alex Pretti während föderaler Einwanderungsoperationen veröffentlicht.

Damit haben sie uns an etwas Wesentliches erinnert: Protestsongs sind am wichtigsten, wenn sie nicht als polierte Alben Monate nach dem Ereignis erscheinen, sondern als dringende Meldungen von den Frontlinien der Geschichte.

„Ich werde Zeuge des Terrors sein/

Ich werde Zeuge der Tyrannei sein,

Ich werde Zeuge des Mordes sein/

Ich werde Zeuge des Faschismus sein.“ Bragg, City of Heroes

Die Geschwindigkeit des Gewissens

Bruce Springsteens "Streets of Minneapolis", am Mittwoch, den 28. Januar veröffentlicht, wurde am Samstag (dem Tag, an dem Alex Pretti getötet wurde) geschrieben und nur wenige Tage später aufgenommen. Dies ist Protestmusik, die mit der Geschwindigkeit des Gewissens, nicht des Kommerzes, funktioniert. Billy Braggs "City of Heroes" folgte innerhalb von 48 Stunden und überquerte den Atlantik mit gleicher Dringlichkeit.

Diese Schnelligkeit ist wichtig. Protestsongs hatten schon immer zwei Zwecke: Sie dokumentieren Ungerechtigkeit und sie geben Widerstandskraft. Aber ihre Kraft vervielfacht sich, wenn sie ankommen, während die Straßen noch warm sind, während die Trauer noch frisch ist, während die Menschen noch fragen, was sie tun können.

Springsteen: Metaphern für die Wahrheit aufgeben

"Streets of Minneapolis" markiert eine Abkehr für Springsteen. Der Songwriter, der eine Karriere auf Charakteren wie "dem Namenlosen" oder "Mary" aufgebaut hat, hat seine üblichen Metaphern aufgegeben, um Stephen Miller und Kristi Noem direkt zu nennen und sie der "schmutzigen Lügen" bezüglich der Umstände der Schießereien zu bezichtigen.

Das Lied folgt einem klassischen Folk-Rock-Aufbau, beginnend mit einer einsamen Akustikgitarre und Mundharmonika, bevor es sich zu einer Full-Band-Hymne mit einem eindringlichen Hintergrundgesang von "ICE out now!" entwickelt.

Es spiegelt seinen Hit "Streets of Philadelphia" von 1993 wider, ersetzt aber den individuellen Kampf durch eine kollektive "Stadt in Flammen", die gegen "die Stiefel eines Besatzers" kämpft.

Das ist Springsteen in seiner unverfälschten Form. Es gibt keinen Raum für poetische Distanz, wenn eine Krankenschwester des VA-Krankenhauses und eine dreifache Mutter tot sind.

Bragg: Das internationale Echo

Billy Braggs "City of Heroes" dient als internationale Antwort und greift stark auf seine Wurzeln als sozialistischer Folk-Sänger zurück. Seine Adaption von Martin Niemöllers berühmter "Als die Nazis die Kommunisten holten..." geht unter die Haut: "When they came for the immigrants / I got in their face."

Während Springsteens Lied sich wie ein schwerer, trauriger Marsch anfühlt, ist Braggs ein Aufruf zu sofortigem zivilen Ungehorsam. Er hebt die "Pfeifen und Telefone" der Demonstranten als ihre Hauptwaffen gegen "Tränengas und Pfefferspray" hervor. Es ist eine Erinnerung daran, dass Protestlieder nicht nur dazu da sind, Zeugnis abzulegen, sondern auch Anleitungen zum Widerstand.

Musikalische Journalismus

Kritiker beschreiben diese Lieder nicht als „zeitlose Kunst“, sondern als „musikalischen Journalismus“, rohe Dokumente eines Winters, den viele in Minneapolis bereits als historischen Wendepunkt bezeichnen.

Diese Rahmung ist wichtig. Das sind keine Songs, die bequem auf einer Greatest-Hits-Compilation sitzen sollen. Sie sollen auf den Straßen gesungen, in den sozialen Medien geteilt, bei Mahnwachen und Märschen gespielt werden.

Die Namen Renee Good und Alex Pretti verdienen es, in Erinnerung zu bleiben. Good war eine 37-jährige dreifache Mutter und Dichterin, getötet am 7. Januar während einer ICE-Operation. Pretti war eine 37-jährige Krankenschwester des VA-Krankenhauses und Aktivistin, am 24. Januar von Bundesagenten erschossen, als sie angeblich versuchte, bei einem Protest zu intervenieren. Diese Lieder stellen sicher, dass ihre Namen nicht in Nachrichtenzyklen begraben oder in der Flut der Schlagzeilen vergessen werden.

Warum „Jetzt“ immer noch zählt

Wir leben in einem Zeitalter überwältigender Inhalte, in dem jeder Moment in Echtzeit dokumentiert und analysiert wird. Man könnte sich fragen: Brauchen wir noch Protestsongs, wenn jeder eine Kamera und eine Plattform hat?

Die Antwort, die diese beiden Veteranen geben, ist ein emphatisches Ja. Denn Songs bewirken etwas, das Videos und Posts nicht können: Sie schaffen eine gemeinsame emotionale Sprache. Sie geben Bewegungen Hymnen. Sie verwandeln individuelle Trauer in kollektive Entschlossenheit. Wenn Tausende von Menschen dieselben Worte singen, drücken sie nicht nur Solidarität aus, sie schaffen sie.

Springsteen und Bragg verstehen, dass Protestlieder dann erscheinen, wenn sie am dringendsten gebraucht werden, nicht wenn es bequem oder kommerziell optimal ist. Sie sind Erinnerungen daran, dass Künstler in Krisenmomenten immer noch eine Rolle spielen, nicht als distanzierte Beobachter, die perfekte Statements formulieren, sondern als Bürger mit Gitarren, die mit den Werkzeugen, die sie haben, auf ihre Zeit reagieren.

Die Straßen von Minneapolis brennen immer noch in der Winterkälte. Und irgendwo in diesen Straßen singt wahrscheinlich jemand.

Billy Bragg discography tube map art print - A1 framed Giclée showing every album as a station and every credited musician as a line, designed by Mike Bell.

Die Billy Bragg Diskographie-Karte, einer von zwei in diesem Beitrag verfolgten Katalogen.

Billy Bragg, Musikkarte

Bruce Springsteen, Musikkarte

Einen Kommentar hinterlassen

Bitte beachten Sie, dass Kommentare genehmigt werden müssen, bevor sie veröffentlicht werden.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.